Nicht nur ein episches Spiel, sondern auch eine epische Investition, zahlt man doch für das Brettspiel mit knapp 59 € – 79 € (je nach Händler) mehr als das Original-Spiel inkl. einem Gratismonat. Dennoch… nachdem ich einem guten Freund das Spiel zum Geburtstag schenken wollte (ich hoffe er liest das hier nicht ;-) ) habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und mir ein zweites gleich für mich selber mitbestellt.

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Erstmal die “Systemvoraussetzungen”:

  • Einen großen(!) Tisch
  • einen bis fünf Mitspieler (also 2-6 Spieler) ab idealerweise 12 Jahre
  • mittlere bis gute Englischkenntnisse
    (zumindest für den, der die Regeln lesen soll ;-) )
  • Viel Zeit

Die Größe der Packung kommt hier auf dem Foto leider nicht so ganz bei raus. Die Verpackung ist sage und schreibe 59 cm breit, 30 cm Tief, 10 cm hoch und wiegt gute 4-5 Kilogramm. Nach dem Auspacken wird man erstmal von der Fülle der beiliegenden Figuren und Marker und Sheets erschlagen, aber richtig groß episch kommt einem das Spiel aber erst dann vor, wenn man es mal aufgebaut hat:

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Sinn des Lebens Spiels
Sinn des Spieles ist es, zu gewinnen. Wer hätte das gedacht? ;-)
Es gewinnt aber nicht ein Einzelspieler, sondern immer die Fraktion für die man spielt. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten zu gewinnen: Zum einen kann man als erste Gruppe den Overlord des Spieles besiegen. Das ist entweder Nefarian, Kel’Thuzad oder Lord Kazzak. Der Overlord spawnt im Laufe des Spieles und kann dann von den Fraktionen angegriffen werden. Gelingt es keiner Fraktion den Overlord zu töten gibt es am Ende des Spieles eine große PvP-Schlacht, und der Sieger dieser Schlacht hat eben gewonnen.

Das Spielbrett
Als Karte und Spielbrett muss Lordaeron herhalten, also der aus dem onlinespiel bekannte nördliche Teil der östlichen Königreiche, beginnen ab dem Arathihochland. Das Allianzstartgebiet ist Southshore, das der Horde ist Brill.

Auf dem Brett ist neben der Karte auch noch die Rundenanzeige untergebracht, jeweils ein Kampfbereich für Horde und Allianz sowie die Levelanzeige der Chars und ein Marktplatz, daneben natürlich noch die eine oder andere Legende ;-)

Der Spielaufbau

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Jeder Spieler (je nachdem wieviele spielen wollen), bekommt einen oder 2 Charaktere. Zur Wahl stehen hier die unterschiedlichen Klassen (jeweils einmal pro Spiel). Die Rasse hängt dann von Fraktion und Klasse ab (Jäger auf Hordenseite ist z.B. ein Taure, auf Allianzseite ein Zwerg). Das zeigt auch schon, dass in einem Spiel z.B. keine zwei Magier gleichzeitig dabei sein können. Der Spieler bekommt einen Character Sheet, auf dem alle wichtigen Daten für seinen Char stehen, ein paar Tokens um seinen Level zu markieren, seine Spielfigur sowie ein Klassendeck. Das Klassendeck sind Spielkarten, die die für diese Klase erlernbaren Fähigkeiten sowie Talente umfassen.

Jeder Charakter bekommt dann ein bisschen Startgeld, seine HP und der einfachheit halber ‘Energie’, die je nach Klasse eben für Mana, Wut oder eben Energie steht.

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Jede Fraktion bekommt dann noch ein paar Quests. Diese Quests lassen Gegner auf der gesamten Karte von Lordaeron spawnen.

Nach dem Spawnen der Questfiguren geht es dann auch schon los. Das Bild hier zeigt übrigens nur ca. ein Drittel der mitgelieferten Figuren, es gibt von jedem Vieh in jeder drei Farben nicht nur eines, aber ich habe sie hier nur einzeln aufgebaut. Man möge bitte auch die etwas unscharfe Aufnahme verzeihen – in Ermangelung einer geeigneten Kamera habe ich die ganzen Bilder mit einer Handycam aufgenommen. Dafür sind sie aber erstaunlich gut geworden…

Der Spielablauf
Das Spiel ist Rundenbasiert. Es gibt insgesamt 30 Runden, wobei das eher ‘Halbrunden’ sind: Pro Runde ist nämlich nur eine Fraktion an der Reihe. Die Horde beginnt immer in Runde 1 und hat alle ungeraden Runden, die Allianz beginnt bei 2 und spielt jede gerade Runde.

In einer Runde der eigenen Fraktion kann jeder Charakter immer 2 Aktionen durchführen. Dazu gehören Ausruhen, Trainieren (Zum Lehrer gehen), Kämpfen oder Stadtaktionen, wenn man sich gerade in einer Stadt befindet.

Die Aktionen
Ich will hier nicht die gesamten Regeln übersetzen, also nur kurz zu den möglichen Aktionen:
In einer Stadt erholt man sich, man kann beim Händler Ausrüstung kaufen und zum Lehrer gehen und Zaubersprüche kaufen. Das alles geht mit einer einzigen Aktion.
Auf dem freien Feld kann man entweder freie Mobs bzw. Gegner angreifen oder aber sich erholen. Eine weitere Aktion ist das Reisen, mit der man sich dann über die Karte bewegt. Im Prinzip ist also die Stadt-Aktion die vielseitigste, weil sie einiges gleichzeitig erlaubt, aber weiterkommen tut man damit nicht wirklich, man sollte also schon auch in die weite Welt hinaus ziehen. *g*

Es ist der Fraktion vollkommen freigestellt, in welcher Reihenfolge die Charaktere Ihre Aktionen ausführen, so kann ein Char erst beide Aktionen hintereinander machen und dann erst der nächste beginnen oder aber erst jeder Char eine Aktion und dann hinterher die Reihe nochmal mit der zweiten durch. Hier sollte man sich vor allem im späteren Spielverlauf also absprechen um möglichst viel für die eigene Fraktion in einer Runde zu erreichen.

Der eigene Charakter

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Der eigene Charakter wird durch einen Charakterbogen repräsentiert. Hier steht für die jeweilige Klasse genau wieviel HP und Energie man auf einem bestimmten Level hat und er bietet eine Ablage für die HP-, Energie- und Goldtokens. Auf dem Bogen ist jederzeit ersichtlich, welche Ausrüstung gerade getragen wird und welche Zaubersprüche bzw. Talente gerade aktiv sind. Gerade gekaufte Zauber sind nämlich nicht sofort aktiv, sondern landen erstmal im Zauberbuch und können erst am Ende der Runde auch ausgerüstet werden, was dann in der Regel Energie kostet.

Sämtliche Fertigkeite, Ausrüstungsgegenstände und Talente wirken sich in der Regel hauptsächlich auf den Würfelpool aus, den man bei Kämpfen benötigt, können aber auch ggf. Energie oder HP regenerieren. Somit kann man sich also im Laufe des Spieles recht gut Pimpem.

Achja.. Erfahrungspunkte gibt es für jedes erledigte Quest (also für das Töten aller von eienr Questkarte gespawnten Quest-Mobs (grün und rot, je nach Schwierigkeitsstufe), die neutralen Mobs (blau) die meist mitspawnen geben keine EP). Man kann bis auf Level 5 aufsteigen, wobei man pro Level wie im online-Game auch wieder volle HP & Energie sowie ein Talent erhält. Daneben geben Quests logischerweise auch Gold und Items als Belohnung. Apropos Items: Alle Gegenstände die nicht Seelengebunden sind können in der Ausrüstungsphase am Ende der Runde beliebig zwischen allen Chars getauscht werden die auf dem gleichen Spielfeld stehen. Somit kann man sich also gemeinsam auf das Ziel vorbereiten und das beste aus dem aktuellen Stand machen. Ein Druide z.B. kann ja mit einem Schwert auch nichts anfangen (ausser, es zu verkaufen…).

Der Kampf

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Das Kampfsystem kling am Anfang ungeheuer kompliziert: Es ist die Rede von Würfelpool (der aus unterschiedlichen Würfeln in drei Farben besteht, Reroll-Phase, Tokens müssen auf verschiedene Felder gelegt werden und wandeln sich dann in der letzten Phase um… aber nach dem Erlegen von 2 Viechern mit der Anleitung nebendran funktioniert das einwandfrei.

Im Prinzip ist es nämlich ganz einfach: Je nach Charakter Basiswerten und aktuell aktiven Fertigkeiten bzw. Sprüchen bekommt man verschiedenfarbige Würfel in seinen Pool. Damit würfelt man. Ziel ist es, mit möglichst vielen Würfeln über den Bedrohungswert des zu bekämpfenden Viehs zu kommen, welcher auf einer Tabelle angegeben ist. Dann hat man (auch durch Fähigkeiten und Sprüche) eine bestimmte Anzahl an Würfeln, die man nochmal nachwürfeln darf (idealerweise die niedrigsten ;-)).

Die Würfel die nun über dem Bedrohungswert liegen geben (pro Würfelsorte) Tokens in ein bestimmtes Kampffeld. Wenn dann im Hit-Feld mehr Tokens sind als der Gegener HP hat (siehe Tabelle) ist er besiegt. Wenn nicht schlägt danach das Vieh zu, wobei dessen Schaden von den eigenen Tokens im Verteidigungsbereich reduziert wird. Lebt man dann selber noch werden die Treffertokens die man in den übrigens Kampffeldern noch über hat nochmal auf den Gegner angerechnet. Und wenn man Pech hat darf man bei der nächsten Aktion nochmal gegen den gleichen Mob Kämpfen. ;-)

Resümee

Alles in allem ist das ein Spiel, was seinen Preis auf jeden Fall Wert ist. Es macht einen Heidenspass, WoW so zu spielen. Fehlende Englischkenntnisse können durch gute Spielkenntnisse ausgeglichen werden, weil vieles beim Brettspiel tatsächlich Identisch funktioniert wie im echten Spiel. Nur die Schurken sind da aussen vor, weil hier die Angriffe und Finishing-Moves auf das Würfelsystem abgebildet werden und dadurch etwas anders funktionieren, aber auch das hat man relativ schnell drauf.

Das Spiel macht auch schon dann richtig Spass, wenn man nur zu zweit ist. Das ist meines Erachtens ein großer Punkt für das Spiel, denn viele andere Gesellschaftsspiele brauchen mindestens 3, besser vier Spieler und disqualifzieren sich somit schonmal schnell in Ermangelung weiterer Mitspieler.

Die Aufbauzeit ist erstaunlicherweise sehr kurz (okay, nicht gerade beim ersten mal.. und vielleicht auch nicht unbedingt wenn man die Sheets und Figuren nicht einzeln in Gefrierbeutel verpackt wie ich es getan habe *g*) und erlaubt so einen schnellen Start. Die Spielzeit ist moderat: Man liegt irgendwo zwischen einer bis zwei, zweieinhalb Stunden, je nachdem wieviel Zeit man sich pro Char gönnen will. Eine Turborunde kann theoretisch auch in einer halben Stunde gespielt werden (eine Minute pro Runde zu zweit – durchaus möglich wenn man zügig spielt), aber das könnte dann in Spielspass killenden Stress ausarten.

Alles in allem muss ich abschliessend sagen es hat sich wirklich gelohnt das Spiel zu kaufen, und ich es kann es jedem anderen auch Empfehlen. Anbei noch ein paar Links zum Spiel (Bilder, Herstellerseite und ein tauglicher Online-Shop).

Links zum Brettspiel: